Freitag, 20. November 2015
Das Leben ist manchmal ein Arschloch
"Wenn heute nur wenige Menschen einen harmonisches Leben zu zweit führen, so liegt das meist daran, daß sie niemals gelernt haben, mit den Augen des anderen zu sehen, mit den Ohren des anderen zu hören und mit dem Herzen des anderen zu fühlen. Dabei ist es doch so wichtig, daß man seinen Partner wirklich kennt und weiß, welche Kräfte die Beziehung zueinander beeinflussen.

Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe." Chi An Kuei

Ich schreibe hier nicht aus Verzweiflung oder aus Frustration über das Leben oder die Liebe. Ich muss mir Luft machen, bevor mein Kopf platzt und ich das Gefühl habe zu zerfallen.

Wir werden heute als "Wegwerfgesellschaft" bezeichnet. In allen belangen. Selbst Beziehungen werden heute einfach weggeschmissen, wenn sie nicht mehr in das Lebenskonzept des einen oder anderen passen. Statt zu reden, wird geschwiegen, bis es nicht mehr geht.

Das ist leider auch mir passiert. Also nicht, dass ich nicht reden konnte oder einfach leichtfertig meine Beziehung weggeschmissen hätte. Meine Ex-Patnerin/ Verlobte hat diesen Weg gewählt.

Ich könnte sagen, das verflixte siebte Jahr. Statistisch gesehen ist es aber das Dritte, in dem sich die meisten Paare trennen. Bei mir waren es 15 Tage vor dem siebten Jahrestag.
Ungefähr so muss sich ein unangekündigter Schlag ins Gesicht anfühlen, gleichzeitig drehen sich die Innereien zu einer unendlichen Spirale auf und versteinern den Magen.
Die Begründung: "Die Gefühle haben sich verändert, da ich das Gefühl hatte mich in der Beziehung verloren zu haben."
Sie sagte, dass sie sich schon länger Gedanken darüber gemacht hat, nur mit mir nicht reden konnte, was sie will, möchte und vielleicht auch ändern wollte, um es zu retten. Für mich sieht es aus, als wenn weglaufen einfacher war, als daran zu arbeiten und auch an einer gemeinsamen Vergangenheit festzuhalten, damit man eine bessere Zukunft bauen kann.

Man soll nicht an Dingen festhalten, die kaputt sind oder irreperabel geschädigt sind. Für mich war nur bis zum letzten Tag alles wie immer. Nicht das ich nicht sensibel genug wäre etwas zu merken. Sie hat sich mir gegenüber auch normal verhalten. Körperliche Nähe, der Kontakt zu einander wie seit je her, lachen, reden, gemeinsam Zeit verbringen und auch das Liebesleben. Ich habe nichts gemerkt und sie sich nichts anmerken lassen.

Sieben Jahre, ein gemeinsames zu Hause und gemeinsame Tiere von jetzt auf gleich weg. Wir wollten heiraten, ich konnte mir vorstellen mit ihr ein Kind zu bekommen, wir haben für die Zukunft geplant. Einfach weg.

Mich hat es erschrocken und lässt mich nach wie vor ratlos dastehen, wie man das alles so leichtfertig hinter sich lassen kann. Keine Chance, kein Kampf, nichts was sie noch berührt hat oder noch berührt.

Langsam geht es wieder. Es tut immer noch weh, wenn ich daran denke.
Ich habe trotzdem noch tiefe Gefühle für sie, ohne dass ich sie idealisiere oder auf ein Podest hebe. Ich habe in meinem Leben keine Frau wie diese getroffen. So eine wird es auch nie wieder geben.

Klingt theatralisch und sehr melancholisch, das ist mir klar. Aber das ist was ich fühle und denke. Kann ich nicht loslassen? Nein, daran liegt es nicht. Ich konnte sonst immer loslassen nach einer Trennung.

Es wird die nächsten Tage weitergehen. Denn ich lerne grade wieder zu leben und mich zu spüren.

Vielleicht sollte ich zu mir noch etwas sagen. Nicht dass jemand denkt, ich wäre 23 und habe grade meine erste große Liebe und Beziehung hinter mir.
Ich bin 38 Jahre jung, aus Hamburg, geschieden und habe eine Tochter.
Die Frau, um die sich das hier alles dreht ist die, die mir nach der Trennung meiner Exfrau aufgeholfen hat und mir gezeigt hat wie schön das Leben ist. Sie hat wie ein Tiger um mich gekämpft, denn ich wollte erst gar nicht, aus Angst wieder verletzt zu werden.

Und dennoch wurde ich wieder verletzt und bin es immer noch sehr. Traurig, manchmal sauer, doch ist die Liebe immer noch tief drinnen und verschwindet einfach nicht.

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